Das Lymphödem

Krankheit, Stadien, Selbst-Check und Therapie

Das Lymphödem ist eine chronische Erkrankung, von der Frauen häufiger betroffen sind als Männer. Wenn die Funktion des Lymphgefäßsystems gestört ist und die Lymphflüssigkeit nicht mehr richtig abtransportiert werden kann, sammelt sie sich im Gewebe und es kommt zu einer Art Stau. Die Folge ist eine schmerzlose Schwellung – das sogenannte Lymphödem.

Die Fachwelt unterscheidet zwei Arten von Lymphödemen: das primäre und das sekundäre Ödem. Sind Störungen des Lymphsystems angeboren, spricht man von einem primären Lymphödem. Treten die Beschwerden jedoch in Folge von Operationen, Bestrahlung, Infektionen oder Verletzungen auf, bezeichnet man diese als sekundäre Lymphödeme.

Welche Körperteile sind betroffen?

Häufig ist ein Bein oder ein Arm betroffen. Manchmal beeinflusst das Ödem aber auch mehrere Bereiche, zum Beispiel Gesicht, Körperstamm und/oder Genitalbereich.

Therapie des Lymphödems

Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE)

Weshalb ist die richtige und konsequente Therapie bei diesem Krankheitsbild so entscheidend? Weil nur so das Lymphdem reduziert und das Ergebnis dauerhaft gehalten werden kann.

Sie bewirkt z. B. das Abfließen von Lymphflüssigkeit, das Auflösen von Verklebungen im verhärteten Bindegewebe und das Aktivieren des Lymphgefäßsystems.

Die 5 Säulen der Komplexen Physikalischen Entstauungstherapie (KPE)

1

Hautpflege

Die Therapie beginnt mit der gründlichen Hautpflege, bei der eventuell vorhandene Hauteinrisse usw. behandelt werden. Wichtig ist stets eine konsequente Pflege und Hygiene der Haut, um Infektionen sowie Risse zu vermeiden und einem Austrocknen der Haut vorzubeugen. Die notwendige Kompressionsversorgung beeinträchtigt die Hauteigenfettung zusätzlich. Achten Sie darauf, ausschließlich pH-neutrale, seifenfreie Reinigungsmittel und Cremes zu verwenden, um den wichtigen Säureschutzmantel der Haut stetig aufrechtzuerhalten. Ureahaltige Pflegeprodukte haben sich dabei beispielsweise bewährt. Schonende Pflege ist daher sehr wichtig.

Entstauungstherapie Hauptflege bei Lymphödemen
2

Manuelle Lymphdrainage (MLD)

Sie ist zentraler Bestandteil der Entstauungstherapie und keinesfalls mit einer herkömmlichen Massage zu vergleichen. Durch kreisförmige Bewegungen in Kombination mit bestimmten Pump-, Schöpf- und Drehgriffen regt der Therapeut die Lymphgefäße an. Der Therapeut beginnt zunächst im Bereich des Halses, um eine Sogwirkung auf die unteren Lymphgefäße zu erzeugen. Flüssigkeit kann auch aus dem ödemreichen Gebiet in funktionelle Gebiete verschoben und dort vom Lymphgefäßsystem aufgenommen werden. Verhärtetes Bindegewebe wird gelockert. Die MLD hat ohne Kompression zwischen den Drainageintervallen keinerlei nachhaltige Wirkung und sollte daher stets in Verbindung mit Wickeln bzw. Kompressionsstrümpfen stattfinden.

Entstauungstherapie manuelle Lymphdrainage bei Lymphödemen
3

Kompressionstherapie

Kompression bildet sowohl während der Entstauung (= Phase I der KPE) als auch im Rahmen der Erhaltung (= Phase II der KPE) die Basis für eine erfolgreiche Entödematisierung. In der Phase I erfolgt die Kompressionstherapie in der Regel mithilfe von lymphologischen mehrlagigen Wechselverbänden oder medizinischen adaptiven Kompressionssystemen. In der Phase II wird in der Regel ein maßgefertigter flachgestrickter medizinischer Kompressionsstrumpf eingesetzt.

Entstauungstherapie Kompression bei Lymphödemen
4

Bewegungstherapie

Je nachdem, welche Körperteile von einem Lymphödem betroffen sind, haben Experten unterschiedliche Gymnastikprogramme entwickelt, die mit Kompressionstherapie durchgeführt werden sollen.

Entstauungstherapie Bewegung bei Lymphödemen
5

Selbstmanagement

Die Therapie steht und fällt mit der Mitarbeit des Patienten. Daher ist es wichtig, dass das Behandlungsteam aus Arzt, Therapeut und Fachhandel den Patienten über Sinn und Zweck der medizinischen Kompressionstherapie aufklärt und ihn in deren richtige Handhabung einweist. Dies ermöglicht es dem Patienten zu erkennen, wie wichtig das konsequente Tragen der medizinischen Kompression sowie eine regelmäßige Hautpflege und Bewegung für den Erfolg der Therapie sind. So wird ein Teil der Verantwortung auf den Patienten übertragen – und das macht ihn unabhängiger.

Entstauungstherapie Selbstmanagement bei Lymphödemen

Mögliche Mischformen bei Ödemen

Phlebo-Lymphödem

Bei einem Phlebo-Lymphödem (Phlebödem) handelt es sich um eine Venenerkrankung mit einem hierdurch erworbenen Lymphödem. Ausgangspunkt kann eine chronische Venenerkrankung sein (zum Beispiel ein starkes Krampfaderleiden oder eine Aufhebung der Muskelpumpe durch eingeschränkte Beweglichkeit des oberen Sprunggelekes (OSG)).

Ist das Venensystem geschädigt, hat das auch häufig Auswirkungen auf das Lymphgefäßsystem. Auch hier gehen Experten entsprechend der Lymphödemtherapie vor, wenden Hautpflege, Lymphdrainage und Kompressionstherapie an und empfehlen ein spezielles Bewegungsprogramm.

Weitere Ödemformen

Zusätzlich zum Lipödem, Lymphödem und den Mischformen gibt es noch weitere (Unter-)formen. Eine häufige Form ist beispielsweise das Immobilitätsödem. Dieses tritt bei fehlender Inanspruchnahme der Extremität auf, wodurch die Lymphflüssigkeit nicht mehr korrekt abtransportiert werden kann. Dieses Ödem tritt beispielsweise bei Schlaganfallpatienten und Rollstuhlfahrern auf.

Ein Stauungsödem infolge einer Herzinsuffizienz nennt man kardiales Ödem. Im Wesentlichen wird dies durch einen erhöhten venösen Druck verursacht. Das Ödem tritt grundsätzlich symmetrisch auf und beginnt meist an den Unterschenkeln und Füßen.